Herkunft

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Ausstellungsansichten, Sweet Lies. Fiktionen der Zugehörigkeit, Ludwig Forum Aachen  © Fotos: Simon Vogel

Unsere Herkunft ist ein maßgeblicher Teil unserer Identitäten. Die Familiengeschichte nachvollziehen zu können, ist ein Privileg. Sie nicht erklären zu müssen, ebenso. In Deutschland leben über 21 Millionen Menschen mit sogenanntem Migrationshintergrund. Das entspricht etwa jeder fünften Person in der Bundesrepublik. Trotzdem sehen sich viele Schwarze und People of Color täglich mit der Herausforderung konfrontiert, die Frage „Woher kommst du?“ zu beantworten. Sie wird in der Regel von einer weißen Person an einen beispielsweise Schwarzen Menschen gerichtet. Für Einwohner*innen, die sich und ihr Hiersein immer wieder erklären und legitimieren müssen, kann diese Frage sehr belastend sein. Sie impliziert ein Machtgefälle, indem auf das vermeintliche Anderssein einer Person angespielt wird, womit sie von der Gesellschaft, in der sie lebt, ausgeschlossen wird. Zusätzlich kann die Frage triggern, etwa wenn jemand fliehen musste und Erinnerungen an Krieg, Gewalt und Traumata wachgerufen werden. Damit in Zusammenhang stehen mitunter existenzbedrohende Ängste vor Fremdenhass in Form von körperlicher und psychischer Gewalt, die ihren Ausdruck auch in strukturellem oder alltäglichem Rassismus finden.

Theresa Weber

Ishtar Altäre / Ishtar Wall Paper, 2021